Huftiere

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Huftiere

In seiner ersten Daseinsstufe,
Hatts je fünf Zehn und keine Hufe.
Dann - niemand weiß, wodurch gereizt -,
Gings auf drei Zehen, sehr gespreizt,
Die andern zwei - noch jetzt zu schauen,
Verkümmerten zu Afterklauen.

Die Welt war steinig und war dornig,
Die Zehennägel wurden hornig;
Dann kam die Sintflut; und im Feuchten -
Klar, um dem Rind selbst einzuleuchten -
Genügten zum Spazierengehen
Mit nassen Füßen schon zwei Zehen.

Und weiter triebens noch die Pferde:
Sie stehen mit einer auf der Erde.

Paarzeher heißen drum die ersten
(Und Wiederkäuer sind die mehrsten),
Die andern hat ein Wortverdreher
Genannt, entsprechend, Unpaarzeher.


Paarzeher

Tansania, P-32, 5.000 Shilingi, 1997: Giraffen

Zum schönsten wohl, was Gott erschaffen,
Zählt man seit jeher die Giraffen.

Ihr Schwanz mißt einen Meter zehn
Und läßt am Schluß ein Quästchen sehn.
Der Kopf hat Hörner, wie bei Schnecken,
Der Leib zeigt große braune Flecken,
Mit denen sie im Sand sich tarnt.

Sie selber, als die Höchste, warnt
Das Zebra und die Antilope,
Die, trauend solchem Periskope,
Mit ihr von der Sahara Rand,
Hinweiden bis ins Zululand.

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Kongo Demokratische Republik, P-84a, 50 Centimes, 1997: Okapi-Familie

Man weiß, wer Mammi war und Papi,
Noch nicht gewiß von dem Okapi.
Vorm Jahre neunzehnhunderteins
Sah man ja überhaupt noch keins.

Hirsch, Esel und Gazelle scheinen
In diesem Tier sich zu vereinen.

Algerien, P-124a, 50 Dinars, 1964: Dromedar

Wir mühen uns mit ganzer Seele
Zu unterscheiden die Kamele,
Und sind uns nie darüber klar:
Was ist Kamel, was Dromedar?
Und welche Rolle spielt denn hier
Das sogenannte Trampeltier?

Wir lesens nach in dicken Schmökern:
Das, was herumläuft mit zwei Höckern
In Asien, fern, bei den Chinesen,
Das ist ein trampeltierisch Wesen.

Doch was, verhältnismäßig nah,
Einhöckrig lebt in Afrika,
Das wird ein Dromedar genannt.
Gleichwohl sind sie ganz nah verwandt,
Was sie auch höckrig unterschiede:
Kamele sind sie alle beide.

Nachdem, durch Lesen neu bestärkt,
Wirs uns ein halbes Jahr gemerkt,
Beginnt aufs neu das alte Lied:
Vergessen ist der Unterschied.

Bis wirs zuletzt uns nicht verhehlen:
Wir zählen selbst zu den Kamelen!

Wüst tut oft dieses Schiff der Wüste
Spürt es nach Paarung ein Gelüste.
Ganz scheußlich wild wird das sonst zahme -
Doch liebts so die Kameliendame.

Bolivien, P-145, 5.000 Bolivianos, 1945:Lama

Das Lama lebt in fernen Landen,
Und zwar hauptsächlich in den Anden
Von Chile, - und nach Norden zu
Trifft mans noch häufig in Peru.
Als äußerst boshaft und durchtrieben
Wird es sei jeher schon beschrieben:
"Cet animal est très méchant.
Si l'on attaque, il se défend."
Und zwar als Luder, als verdrucktes,
Wenn man ihm nahe kommt, dann spuckt es.

Es wehrt sich schließlich jedermann,
Wie ers am vorteilhaftsten kann.

Nepal, P-33c, 50 Rupees, 1983 - 2000: Bergziege

In Asien stand des Tieres Wiege,
Und Prisca hieß die erste Ziege.
Die Böcke, mit des Hornes Bürde
Besitzen kämpferische Würde.
Man tut drum gut, sie nicht zu kränken
Mit der Behauptung, daß sie stänken.

Katar, P-8a, 5 Riyals, 1980: Schafe

Wir können mit den Einzelrassen
Des Hausschafs hier uns nicht befassen.
Ob Fettsteißschaf, ob Heideschnuck,
Ob mit, ob ohne Hörnerschmuck,
Ob es Merino oder nicht,
Oder obs gar ein Schafsgesicht,
Wir könnten bis zum Goldnen Vlies
Zurückverfolgen das und dies.

Süd-Vietnam, P-36a, 10.000 Dong, 1975: Rind

Die abendländische Kultur
Verdanken wir dem Rindvieh nur.
Als man den Stier ins Joch gespannt
Und auch den Wert der Milch erkannt,
Ward - und verhältnismäßig leicht -
Das Übrige von uns erreicht.

Der Nutzen unsres Hausrinds, Bos,
Ist wirklich ohne Beispiel groß.
Jedoch, obwohls auch nicht verständig,
Nützt es uns a) solangs lebendig,
Durch Milch und Butter und die zarten Höchst mannigfachen Käsearten.

Es nützt uns b) nach seinem Tode
Durch Suppenfleisch, bœuf à la mode,
Durch Nierenbraten, Herz und Lunge,
Durch Lende, Haxe, Schweif und Zunge.
Auch müssen Kerzen wir und Seifen
In diesen Segen einbegreifen,
Die Schuhe, Riemen, Lederlaschen, -

Und sehn wir Leut mit Aktentaschen,
Dann müssen - ohne wen zu kränken -
Wir gleich an einen Ochsen denken.

Nepal, P-46b, 5 Rupees, 2003: Yak

Es trägt gar schwer der grimme Yak,
Im fernen Tibet Sack und Pack,
Doch wird der Wilde seltner schon,
So wie bei uns das Ypsilon.

Weißrußland, P-8, 100 Rubel, 1992: Wisent

Noch Cäsar wußte es genauer,
Was sei ein Wisent und ein Auer.
Seitdem verlor sich oft die Spur,
Sowohl von jenem, wie vom Ur.

Den Wisent trifft noch heute man
In Auenwäldern Polens an,
Indes die Auer auf den Wiesen
Sich lange nicht mehr blicken ließen.

Und man brauchts auch nicht mehr, das Vieh,
Weil längst die Trinkhorn-Industrie
Der herrlichen Germanenwelt
Ward auf den Maßkrug umgestellt.

USA, P-M95, 1 Dollar, 1970: Bison

Den Bison sah zu Millionen
Den wilden Westen einst bewohnen.
Das heißt, sobald man ihn gesehen,
Wars leider schon um ihn geschehen.

Er durft von einem End zum andern
Dort, die Prärie durchtrampelnd, wandern.
Er war des Indianers Speise,
Bis dann die Bahn ließ legen Gleise,
Und Abenteurer, dumm und roh,
Wie jener Bill aus Buffalo -
Von Narren heute noch gepriesen,
Begannen, Bisons abzuschießen.

Ein alter Bulle, gar im Zorn,
Dräut schrecklich - aber nur von vorn.
Im Widerriste hoch und mächtig,
Doch hinten ist er gradzu schmächtig,
Und er wirkt peinlich, wie beim Baden
Ein fescher Jüngling ohne Waden.

Tschad, P-7, 1.000 Francs, 1980 - 1984: Kaffernbüffel

Der Büffel badet seine Wamme
Bei Tage gern im warmen Schlamme.
Der Kafferbüffel ist für Jäger
Gefährlich - und nicht nur für Neger:
Er scheut sich nicht vor einem Mord
Sogar an einem echten Lord,
Und wirft ihn in die Luft voll Wut.

Drum schieße gar nicht, oder gut!

Burundi, P-9, 10 Francs, 1965: Zebu

Das Zebu Rind ist bräunlich grau;
Leicht kennt man es am Körperbau.
Sein Buckel ist besonders groß,
Bei uns sind Rinder höckerlos.

Uganda, P-6b, 10 Shillings, 1973: Antilope

Die Antilopen ähneln bald
Dem Hirschen mehr und Reh im Wald,
Bald mehr den Ziegen, mehr dem Rind:
Man sieht, daß sie verschieden sind.
So gibts zum Beispiel in den Tropen
Sogar Hirsch-Ziegen-Antilopen.

Französisch-Westafrika, P-37, 10 Francs, 1946 - 1954: Gazelle

Gazellen, auch gebraten köstlich,
Durchstreifen Afrika, nordöstlich.
Sie ist sehr zierlich, nett und lieblich
Und schon im hohen Liede, biblisch.

Litauen, P-45, 200 Talonu, 1993: Hirsche

Vom Horntier man nicht weit zu pirschen
Braucht, um zu kommen zu dem Hirschen.

Als unser Schöpfung Krone muß
Wohl gelten Cervus elaphus.
Denn dieser Rothirsch, welcher edel
Von der Geweihspitz bis zum Wedel,
Schreitet so wunderbar einher,
Zwei Meter wird er lang und mehr.

Wildschaden bringt er ganz unmäßig,
Weil er sehr heikel und gefräßig.
Der Hirsch fegt, äugt, färbt, äst, trollt, schält,
Verhofft, plätzt, windet, schreckt und schmält.
Es heißt bei ihm das Maul Geäs,
Hingegen Weidloch das Gesäß.

Klug ist er nie, und in der Brunft,
Verliert den Rest er an Vernunft,
Und wird dann - meistens im Oktober,
Ein Raufbold, ein gewaltig grober.
Zorn prallt auf Zorn. Und beide Zörne
Mit ihrem riesigen Gehörne
Gehn finster aufeinander los.
So kracht der Wald von Schlag und Stoß.

Weißrußland, P-6, 25 Rubel, 1992: Elch

Längst ausgestorben ist der Schelch,
Doch lebt sein Reimpart noch, der Elch.
Um dieses große Tier zu sehen,
Mußt man einst weit nach Norden gehen,
Was Mühe schuf und Geldausgaben,
Jetzt kann man sowas billiger haben.
Man fährt bloß mit der Straßenbahn
Zum Tierpark und schauts dorten an.

Man geht an das Geheg der Elche,
Und wenn man Glück hat, sieht man welche.

Nord-Vietnam, P-77b, 1 Hao, 1972: Schweine

Das Schwein zählt nicht, nach den bisherigen
Erfahrungen zu den gelehrigen
Und klugen Tieren; seines Lebens
Sinn würde suchen man vergebens.
Ganz anders, wenn man es betrachtet
Im Hinblick darauf, daß mans schlachtet.
Dann nämlich gibts nichts edlers schier,
Als dieses brave Säu-Getier.

Sein Leben mags im Dreck vertrödeln,
Man liebt das Schwein mit Kraut und Knödeln.
Und Schinken etwa, in Burgunder
Verehren wir als wahres Wunder.

Papua-Neuguinea, P-24, 20 Kina, 2000: Wildschwein

Bedeckt mit Schmutz und groben Borsten
Haust unser Wildschwein in den Forsten.
Sogar im deutschen Dichterwald -
Aussterben wirds noch nicht so bald.


Unpaarzeher

Irak, P-72, 25 Dinars, 1982: Pferde

Nützts auch nicht so wie Kuh und Kalb,
Es gilt als Mensch schon, halb und halb,
Wenn der Kentaur auch, bis zum Nabel,
Ein Mensch, dann Roß, nur eine Fabel.

Von Pferdezucht bring ich nur wenig,
Arabiens Hengst war stets der König.
Im Kreuzzug kreuzte man ihn schon,
Jedoch man merkt nichts mehr davon.

Österreich, P-128, 10 Schilling, 1950, Lippizaner

Vielleicht vermißt noch der und jener,
Den Lippizaner, den Trakehner,
Der schweren Gäule Prachtgespann,
Die einst in bessern Zeiten man
Bewundert beim Oktoberfest ...
Doch Schweigen ist auch hier der Rest.

Rwanda, P-12a, 100 Francs, 1978: Zebras

Das Goethewort wär' überspitzt:
"Das, was man schwarz auf weiß besitzt,
Kann man getrost nach Hause tragen."
Vom Zebra würd das ausgeschlagen.¹)


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¹) Verse aus Eugen Roth, Tierleben, Carl Hanser Verlag, München 1948