Griechenland: Die entwerteten Banknoten P-112 bis 115A

Aus Moneypedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die entwerteten Banknoten Griechenlands P-112 bis 115A

Jede Ländersammlung von Banknoten stößt irgendwann an ihre Grenzen. Sei es, dass die fehlenden Scheine nicht angeboten werden, sei es, dass sie für den Sammler nicht finanzierbar sind. Wenn dann auch noch die Variantensammlung weitestgehend vollständig ist, bietet sich für den Griechenlandsammler eine "Sammlung in der Sammlung" an: die durch Lochung und / oder Stempel entwerteten und zur Vernichtung vorbereiteten Scheine P-112 bis P-115A.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Banknoten P-97(90), 98(91) und 100b vereinzelt dem Prozess des Überdrucks mit dem neuen Banknamen entgangen und in Umlauf gelangt sind. Folglich können sie auch als entwertete Noten auftauchen. Dies ist aber nur für den 50 Drachmen Schein P-97 (also P-112/90) belegt.

In der Literatur bisher weitgehend unbehandelt – auch die griechischen Spezialkataloge von Tarassouleas, Pylarinos und Georgiadis streifen dieses Teilgebiet nur ganz am Rande - und von den meisten Sammlern ignoriert, bietet sich hier ein recht umfangreiches und unerforschtes Sammelgebiet, das über längere Zeit neue Funde ermöglichen und so den Forschungsdrang des Sammlers befriedigen kann. Hilfreich mag hier der Ende 2006 herausgegebene Katalog aus dem Gietl Verlag sein: Grabowski/Huschka/Schamberg - Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung. Zudem befasst sich auch der 2. Katalog von Theodore Pitidis-Poutous (Die Banknoten Griechenlands ab 1928) kurz mit diesen entwerteten Geldscheinen.

Basierend auf dem folgenden Artikel ist nun im August 2013 endlich ein eigener Katalog zu diesen Geldscheinen erschienen: THE CIRCULATION OF CANCELLED AND PERFORATED BANKNOTES FROM HELLAS von Spiros Manousopoulos.

Nach der deutsch-italienischen Besetzung Griechenlands kam es zu einem enormen Anstieg des Geldumlaufs. Um den daraus resultierenden Mehrbedarf an Banknoten befriedigen zu können, brachte die Bank von Griechenland mit Verordnung 45 vom 14.5.1941 bereits entwertete und zur Vernichtung vorgesehene Scheine erneut in Umlauf.

Dabei handelte es sich einerseits um Banknoten, die noch für die Nationalbank von Griechenland (ΕΘΝΙΚΗ ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ) gedruckt worden waren. Da das Recht zur Banknotenausgabe aber schon 1928 auf die Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ) übergegangen war, wurden die bis dahin nicht verausgabten Bestände der letzten Emission (hier relevant P-97, 98, 100) mit dem neuen Banknamen überdruckt. Andererseits handelte es sich um die 1. reguläre Ausgabe der Bank von Griechenland (P-102 bis 106). Amtlich sind die Werte 50 Drachmen (P-97, 104), 100 Drachmen (P-98, 105), 500 Drachmen (P-102) und 1000 Drachmen (P-100, 106).

Aber auch der 5000 Drachmen Schein von 1932 (P-103) existiert in gelochtem Zustand (P-115A), gestempelt sind mir bislang aber lediglich zwei Exemplare bekannt.

Ob die ohnehin schon sehr seltene 1000 Drachmen Note mit der Signatur M. Papadakis (Μ. ΠΑΠΑΔΑΚΙΣ) unten rechts (P-100c, nur teilweise in den Serien ΚΞ 100-95, also weniger als 250.000 Exemplare !!) als entwerteter Schein existiert, erschien bisher eher unwahrscheinlich, da er schon zum 1.7.1931 aus dem Verkehr gezogen worden war. Nun konnte ich aber ein Stück sichern (ΚΞ 098-112388), so dass die bisher unbekannte, nicht katalogisierte Variante P-115/100c belegt ist. Mittlerweile (10.1.2013) sind mir ca. 4 Exemplare bekannt.

Ob es auch den 5000er P-101, der am 15.12.1932 aus dem Verkehr gezogen worden war, als entwerteten Schein gibt, muss weiter abgewartet werden, ist aber unwahrscheinlich.

Von den bisher mit Stempel nicht bekannten Scheinen abgesehen, sind die 3 französischen Drucke (P-104 bis 106) mit Abstempelung offenbar deutlich die seltensten.

Alle diese – wieder – verausgabten Scheine wurden mit Verordnung 37 vom 1.4.1942 und der ergänzenden Verordnung 30 vom 31.3.1943 aus dem Verkehr gezogen. Sie waren also nur ca. 1 Jahr im Umlauf.


Im Folgenden soll kurz dargestellt werden, welche Stempelvarianten bisher als gesichert gelten.


Stempel von Plomari / Insel Lesbos


Soll es 1955 noch 27 Zweigstellen (ΥΠΟΚΑΤΑΣΤΙΜΑΤΑ) der Bank von Griechenland gegeben haben, so waren es z.Zt. der Abstempelungen Ende der 30er Jahre sicher wesentlich mehr. Folgende Orte = verschiedene Stempel sind bisher verifiziert, wobei gut lesbare Abstempelungen ziemlich selten sind:

Agrinio, Alexandroupoli, Almiros, Amaliada, Amfisa, Arta, Argostoli, Veria, Volos, Drama, Edessa, Elasona, Zakynthos, Kefalonia, Samos, Kiato, Agios Nikolaos, Chania, Heraklion, Rethymnon, Sitia (5x Kreta), Mytilini, Plomari (2x Lesbos), Thessaloniki, Istia, Kastoria, Kavalla, Kalamata, Karditsa, Kilkis, Korfu, Komotini, Kozani, Kalavrita, Katerini, Lamia, Larissa, Lefkada, Messolongi, Messini, Xanthi, Orestiados, Patras, Poligiros, Pravis, Seres, Sorovits, Sparta, Syros, Soufli, Trikala, Farsala, Florina, Pirgos, Ioannina, Langada, Grevena, Ithaka, Megalopoleos, Kyparissia, Paxos, Poros, Limnos, Nafpaktos, Naussa, Nea Zichni, Preveza, Tripolis, Thiva (Theben) (= 67)

Diese Liste dürfte aber noch lange Zeit Raum für Ergänzungen lassen.

Abstempelungen erfolgten in kleineren Orten (verifiziert sind Kiato auf dem Peloponnes und Zichni) und auf kleineren Inseln auch in Büros, in denen die Bürger ihre Steuern zahlen konnten. Dort hatte die Bank Agenturen (Praktoria) eingerichtet, von denen es zum Zeitpunkt 1955 insgesamt 78 gegeben hat. Die Stempel sind bis auf die 2 oben genannten Ausnahmen, wo sich der Hinweis "ΠΡΑΚΤΟΡΕΙΟΝ" (Agentur) auf dem Stempel findet, identisch mit denen der Bankfilialen.

Die bisher bekannten Jahresangaben auf den Stempeln reichen von 1932 bis Februar 1941, wobei die Jahrgänge 1938 und 1939 deutlich am häufigsten sind. Der sehr frühe Jahrgang 1932 wurde erst kürzlich auf einer Abstempelung aus KYPARISSIA entdeckt, und der sehr späte vom Februar 1941 stammt aus KAVALLA.

In der Regel sind die Noten 6-fach gelocht, seltener auch 9-fach, wenn der Schein nicht zentriert unter die "Lochungsmaschine" geraten oder nicht richtig weiter transportiert worden war, und der Lochstanzer 3 der 6 Löcher für den nächsten Schein noch in den vorhergehenden, bzw. vom vorhergehenden Schein 3 in den nachfolgenden gestanzt hat. Auch eine Doppellochung ( also 12 Löcher ) mit Stempel aus Samos ist bekannt, sowie die 10-fach Lochung eines P-115A/103. Erst kürzlich aufgetaucht ist ein P-100a mit 5 ovalen Löchern in etwas asymmetrischer Anordnung. Auf allen Nominalen findet sich mitunter eine Lochung mit deutlich kleineren Löchern (selten), ansonsten sind die Löcher von "normaler" Größe. Ebenfalls seltener sind große Löcher.

Neben den unterschiedlichen Lochgrößen existieren auch noch deutliche Unterschiede in der Größe des "Rechtecks", das die 6 Löcher umfasst. In der Regel beträgt diese Fläche 7,5 x 4 cm. Weitaus seltener sind Lochungen, die sich auf 6,5 x 4 cm bzw. 6 x 4 cm erstrecken. Dies wohlgemerkt bei gleicher Lochgröße.

Gelochte Scheine ohne Stempel sollen aus Athen stammen, wobei noch die Frage offen ist, ob

1.) ALLE Scheine in Athen gelocht worden sind – auch die mit den örtlichen Stempeln – oder ob

2.) jede Zweigstelle die zur Vernichtung vorgesehenen Banknoten vor Ort gestempelt UND gelocht hat. Das Vorkommen von Lochentwertungen mit unterschiedlich großen Löchern (VOLOS gibt es mit kleinen, normalen und großen Löchern) spricht eher für die zweite Möglichkeit.

Eine sehr interessante Information birgt der oben erwähnte P-115A, abgestempelt in Thessaloniki: er ist über dem Stempel mit einem Papierstreifen überklebt, um einen Riss zu reparieren. Eines der Entwertungslöcher ist in diesem Papierstreifen, so dass klar ist, dass der Schein nach dem Stempeln repariert und erst DANACH gelocht wurde !!

Es existieren folglich auch Exemplare, die zwar gestempelt aber überhaupt nicht gelocht worden sind; diese sind sehr viel seltener. Bekannt ist eine solche Note (P-115/100a) mit Stempel aus Langadas (ΕΝ ΛΑΝΓΚΑΔΑ) sowie P-115/106 aus Kalamata (ΕΝ ΚΑΛΑΜΑΙΣ) und Samos (YΠ/MA ΣΑΜΟY) sowie Zakynthos (ΕΝ ΖΑΚΥΝΘΩ) .

In der Regel findet sich die Abstempelung auf der Rückseite. Deutlich seltener (auch) auf der Vorderseite.

Die Stempel unterscheiden sich vielfältig in Größe und Schrifttyp, hier soll aber nur auf den generellen Aufbau als Unterscheidungsmerkmal eingegangen werden.

Alle Stempel haben 4 Zeilen:

1.) In der 1. Zeile steht der Bankname ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ

2.) In der 2. Zeile findet sich der Ortsname (Sitz der Zweigstelle), entweder

   a)  ohne jeden Zusatz
   b)  oder (meistens) mit EN davor
   c)  oder (seltener) mit der Bezeichnung ΥΠΟΚΑΤΑΣΤΙΜΑ (Zweigstelle/Filiale) davor
   d)  oder dies abgekürzt ΥΠΟΚ/ΜΑ
   e)  oder dies abgekürzt ΥΠ/ΜΑ

3.) In der 3. Zeile steht das Datum der Abstempelung, entweder

   a)  nur das Jahr (1932 – 1940 sind bekannt)
   b)  oder das vollständige Datum, z.B.  9 ΔΕΚ 1938 (= 9. Dez. 1938)

4.) In der 4. Zeile steht immer ΑΚΥΡΟΝ (ungültig).


Abstempelungen aus SERES sind bisher nur ohne Datumsangabe bekannt, und bei dem bisher einzigen gesehenen Stempel aus LIMNOS steht das Datum auf dem Kopf.

Eine sehr seltene Ausnahme bildete die Zweigstelle in ORESTIADOS, gelegen im äußersten Nordosten Griechenlands. Hier wurde mit Stempeln der alten ΕΘΝΙΚΗ ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ entwertet ! Und dies, obwohl die neue Bank von Griechenland schon am 14.5.1928 ihre Arbeit aufgenommen hatte. Da die alte Nationalbank aber weiterhin reine Bankgeschäfte tätigte (nur das Privileg zur Banknotenausgabe ist auf die Bank von Griechenland übergegangen), fungierte sie im abgelegenen Orestiada (ausnahmsweise) als Vertreterin der Bank von Griechenland. Bei diesem Stempel gibt es nur 3 Zeilen, kein Datum, das ΑΚΥΡΟΝ steht in der 1. Zeile, der Bankname in der 2. und der Ort (mit ΥΠ/ΜΑ davor) in der 3. Lediglich wenige Scheine sind mit dieser raren Abstempelung bekannt: 2x P-115/100 und ein P-113/98

Eine gänzlich neue Abstempelungsvariante findet sich vereinzelt auf gelochten 1000 Drachmen Scheinen (P-115/100a bzw. 106) : Diese ist ohne Orts- und Datumsangabe und besteht lediglich in großen Buchstaben aus dem Wort AKYPON  !! Mittlerweile ist auch davon eine 2. Stempelvariante aufgetaucht mit einem gänzlich anderen Buchstabentypus. Ebenfalls gesichtet wurden Stempel aus Korfu von 1939 und 1940, bei denen das Wort ΤΗΣ im Banknamen aus deutlich kleineren Buchstaben besteht, als die anderen.

Nun dürfte auch deutlich geworden sein, wie umfangreich eine Sammlung der entwerteten Banknoten werden kann und dass über einen langen Zeitraum hinweg neue Entdeckungen möglich sind. Alleine das Zusammentragen der verschiedenen Stempel der einzelnen Zweigstellen dürfte sehr schwierig sein. Wenn man dann noch bedenkt, dass jeder Banknotentyp mit allen diesen Stempeln sowie mit den unterschiedlichen Lochgrößen vorkommen kann, und sogar in gleichen Orten / Filialen mit unterschiedlichen Stempeln gearbeitet worden ist (für KORFU, MYTILINI, PIRGOS und LARISSA verifiziert), wird klar, welch großer Herausforderung sich der interessierte und engagierte Sammler stellt.

P.S. Der Autor würde sich nicht nur über Angebote von diesen Scheinen freuen, sondern natürlich auch über jede ergänzende Information. Eine E-Mail an ThomaNel@web.de wäre nett – besten Dank im Voraus. Erlaubt sei ferner noch der Hinweis auf folgende Webseite: http://www.numismata-world.de/greece/index2.htm - Sammler von griechischen Münzen und Geldscheinen finden hier eine umfangreiche, mit Liebe und Leidenschaft gestaltete Informationsquelle.

--ToKyma55 23:11, 18. Apr. 2007 (CEST)