Die Wertscheine des Winterhilfswerks (WHW) des Deutschen Volkes: Unterschied zwischen den Versionen

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Um Bedürftigen helfen zu können wurde im September 1933 die Organisation "Winterhilfswerk" ins Leben gerufen. Ursprünglich waren die Begünstigten in erster Linie Menschen, die während der großen Wirtschaftskrise von 1929 arbeitslos wurden. Im Laufe der Zeit, speziell während des Zweiten Weltkrieges, versorgte das Winterhilfswerk aber auch Flüchtlinge und Angehörige von zivilen Opfern. Das Winterhilfswerk entwickelte sich sehr schnell zu einer sehr großen und aktiven Wohltätigkeitsorganisation. Bereits 1937 erhielten etwa 10 Millionen Menschen Sach- oder Geldleistungen.<br>
 
Um Bedürftigen helfen zu können wurde im September 1933 die Organisation "Winterhilfswerk" ins Leben gerufen. Ursprünglich waren die Begünstigten in erster Linie Menschen, die während der großen Wirtschaftskrise von 1929 arbeitslos wurden. Im Laufe der Zeit, speziell während des Zweiten Weltkrieges, versorgte das Winterhilfswerk aber auch Flüchtlinge und Angehörige von zivilen Opfern. Das Winterhilfswerk entwickelte sich sehr schnell zu einer sehr großen und aktiven Wohltätigkeitsorganisation. Bereits 1937 erhielten etwa 10 Millionen Menschen Sach- oder Geldleistungen.<br>
 
Das Winterhilfswerk funktionierte ähnlich dem amerikanischen "Food Coupon"-System. Sobald jemand auf Antrag bei der zuständigen Bezirksstelle als hilfsbedürftig eingestuft wurde, erhielt diese Person spezielle Papiernoten, sogenannte Wertscheine ausgehändigt. Diese Wertscheine konnten bei Kaufleuten gegen bestimmte Güter und Dienstleistungen eingelöst werden und fungierten faktisch wie Bargeld. Lebensmittel, Bekleidung und Brennstoffe waren die klassischen Güter, welche durch die Wertscheine abgedeckt wurden. Kaufleute, bei denen diese Wertscheine eingelöst wurden, bestätigten ihre Identität (meist durch Firmenstempel) auf der Rückseite der Scheine und zahlten diese über eine reguläre Transaktion bei den Banken ein.<br>
 
Das Winterhilfswerk funktionierte ähnlich dem amerikanischen "Food Coupon"-System. Sobald jemand auf Antrag bei der zuständigen Bezirksstelle als hilfsbedürftig eingestuft wurde, erhielt diese Person spezielle Papiernoten, sogenannte Wertscheine ausgehändigt. Diese Wertscheine konnten bei Kaufleuten gegen bestimmte Güter und Dienstleistungen eingelöst werden und fungierten faktisch wie Bargeld. Lebensmittel, Bekleidung und Brennstoffe waren die klassischen Güter, welche durch die Wertscheine abgedeckt wurden. Kaufleute, bei denen diese Wertscheine eingelöst wurden, bestätigten ihre Identität (meist durch Firmenstempel) auf der Rückseite der Scheine und zahlten diese über eine reguläre Transaktion bei den Banken ein.<br>
Zur Finanzierung des Winterhilfswerkes wurden enorme öffentliche Geldbeschaffungsprogramme ins Leben gerufen. Familien, die keine Unterstützung erhielten sollten beispielsweise am nationalen "Eintopfsonntag" teilnehmen, bei dem das am üblichen Sonntagsmahl eingesparte Geld als Spende erwartet und abkassiert wurde. Diese Aktion wurde an sechs Tagen im Jahr veranstaltet. Darüber hinaus wurden, während der Wintermonate, bis zehn Prozent des Arbeitslohns einbehalten und dem Winterhilfswerk zugeführt.<br>
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Zur Finanzierung des Winterhilfswerkes wurden enorme öffentliche Geldbeschaffungsprogramme ins Leben gerufen. Familien, die keine Unterstützung erhielten sollten beispielsweise am nationalen "Eintopfsonntag" teilnehmen, bei dem das am üblichen Sonntagsmahl eingesparte Geld als Spende erwartet und abkassiert wurde. Diese Aktion wurde an sechs Tagen im Jahr veranstaltet. Darüber hinaus wurden, während der Wintermonate, bis zu zehn Prozent des Arbeitslohns einbehalten und dem Winterhilfswerk zugeführt.<br>
 
Als die militärische Aufrüstung und der bevorstehende Krieg das politische Geschehen in Deutschland dominierten, verkamen die Veranstaltungen des WHW immer mehr zur Propaganda im und für das Reich. Patriotische Plakate, Arbeiter Seite an Seite mit Soldaten, warben für die Spendenbereitschaft und den Zusammenhalt der Bevölkerung.<br>
 
Als die militärische Aufrüstung und der bevorstehende Krieg das politische Geschehen in Deutschland dominierten, verkamen die Veranstaltungen des WHW immer mehr zur Propaganda im und für das Reich. Patriotische Plakate, Arbeiter Seite an Seite mit Soldaten, warben für die Spendenbereitschaft und den Zusammenhalt der Bevölkerung.<br>
 
Im Jahre 1940 wurde die Organisation in "Kriegswinterhilfswerk" umbenannt. Das System wurde auf die bis dahin besetzten und annektierten Gebiete ausgeweitet. Es existieren Wertscheinausgaben für Belgien, die Niederlande und Polen.<br><br>
 
Im Jahre 1940 wurde die Organisation in "Kriegswinterhilfswerk" umbenannt. Das System wurde auf die bis dahin besetzten und annektierten Gebiete ausgeweitet. Es existieren Wertscheinausgaben für Belgien, die Niederlande und Polen.<br><br>

Version vom 7. März 2016, 21:09 Uhr

Das Winterhilswerk (WHW) des Deutschen Volkes

Um Bedürftigen helfen zu können wurde im September 1933 die Organisation "Winterhilfswerk" ins Leben gerufen. Ursprünglich waren die Begünstigten in erster Linie Menschen, die während der großen Wirtschaftskrise von 1929 arbeitslos wurden. Im Laufe der Zeit, speziell während des Zweiten Weltkrieges, versorgte das Winterhilfswerk aber auch Flüchtlinge und Angehörige von zivilen Opfern. Das Winterhilfswerk entwickelte sich sehr schnell zu einer sehr großen und aktiven Wohltätigkeitsorganisation. Bereits 1937 erhielten etwa 10 Millionen Menschen Sach- oder Geldleistungen.
Das Winterhilfswerk funktionierte ähnlich dem amerikanischen "Food Coupon"-System. Sobald jemand auf Antrag bei der zuständigen Bezirksstelle als hilfsbedürftig eingestuft wurde, erhielt diese Person spezielle Papiernoten, sogenannte Wertscheine ausgehändigt. Diese Wertscheine konnten bei Kaufleuten gegen bestimmte Güter und Dienstleistungen eingelöst werden und fungierten faktisch wie Bargeld. Lebensmittel, Bekleidung und Brennstoffe waren die klassischen Güter, welche durch die Wertscheine abgedeckt wurden. Kaufleute, bei denen diese Wertscheine eingelöst wurden, bestätigten ihre Identität (meist durch Firmenstempel) auf der Rückseite der Scheine und zahlten diese über eine reguläre Transaktion bei den Banken ein.
Zur Finanzierung des Winterhilfswerkes wurden enorme öffentliche Geldbeschaffungsprogramme ins Leben gerufen. Familien, die keine Unterstützung erhielten sollten beispielsweise am nationalen "Eintopfsonntag" teilnehmen, bei dem das am üblichen Sonntagsmahl eingesparte Geld als Spende erwartet und abkassiert wurde. Diese Aktion wurde an sechs Tagen im Jahr veranstaltet. Darüber hinaus wurden, während der Wintermonate, bis zu zehn Prozent des Arbeitslohns einbehalten und dem Winterhilfswerk zugeführt.
Als die militärische Aufrüstung und der bevorstehende Krieg das politische Geschehen in Deutschland dominierten, verkamen die Veranstaltungen des WHW immer mehr zur Propaganda im und für das Reich. Patriotische Plakate, Arbeiter Seite an Seite mit Soldaten, warben für die Spendenbereitschaft und den Zusammenhalt der Bevölkerung.
Im Jahre 1940 wurde die Organisation in "Kriegswinterhilfswerk" umbenannt. Das System wurde auf die bis dahin besetzten und annektierten Gebiete ausgeweitet. Es existieren Wertscheinausgaben für Belgien, die Niederlande und Polen.

Die Wertscheine des WHW

1933/1934 und 1934/1935
Die Wertscheine der ersten beiden Ausgabejahre konnten gegen Lebensmittel (Wertschein zu 1 Reichsmark) und Brennstoffe (Wertscheine zu jeweils 50 Kilogramm Kohle oder Holzkohle) eingelöst werden und waren speziell auf eine Art dieser Güter ausgestellt. Die Ausgabe dieser Serie wurde in zeitgenössichen Zeitungen und älteren numismatischen Zeitschriften erwähnt, bisher konnte jedoch kein Wertschein nachgewiesen werden.

Im Zeitraum 1935/1936 bis 1937/1938 wurden keine nationalen Wertscheine verausgabt, in Berlin und Sonneberg (Thüringen) jedoch Lokalausgaben emittiert.

Kriegswinterhilfswerk 1939/1940
Zum ersten und einzigen Mal wurde auf den Wertscheinen als Emittent das "Kriegswinterhilfswerk" statt dem üblichen "Winterhilfswerk" ausgewiesen. Auch die Komplexität der Ausgabe mit zwei Serien und mehreren Varianten war bis dato neu. Die erste Serie war durch die römische Ziffer "I" neben der Kontrollnummer gekennzeichnet. Zusätzlich zeigen die Wertscheine einen Buchstaben vor der Kontrollnummer, was allgemein bei Papiergeldausgaben als Serie bezeichnet wird. Um Missverständnisse zu vermeiden spricht man bei diesem Buchstaben hier vom sogenannten "Block". Wertscheine der Serie I waren ursprünglich nur bis zum 31. Dezember 1939 einlösbar, wurden jedoch durch Überdruck bis zum 31. Januar 1940 verlängert (vgl. Abb. 1). Der Überdruck kommt sowohl handgestempelt, als auch gedruckt vor. Die später verausgabte zweite Serie zeigt eine römische "II" neben der Kontrollnummer. Alle Scheine dieser beiden Serien wurden von Giesecke & Devrient auf Wasserzeichenpapier gedruckt.

Abb. 1: Wertschein "Kriegswinterhilfswerk" zu 50 Pfennig der Ausgabe 1939/1940, Serie "I", Block "J" und Überdruck des verlängerten Einlösezeitraumes