Banknotenersatzserie

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Banknotenersatzserien sind Banknotenserien, die von den Zentralbanken entworfen, gedruckt, eingelagert aber nie ausgegeben wurden, um im Falle größerer Störungen des Geldumlaufes gewappnet zu sein.

Geschichte

Zu Beginn der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts entschlossen sich viele Zentralbanken oder ihre Regierungen zu Reserve- oder Ersatzserien. Sie entwarfen oder realisierten Banknoten, ohne die Absicht haben, sie in absehbarer Zeit in den Umlauf zu geben. Die Gründe hierfür lassen sich nur vermuten.
Vermutlich wollte man im Falle größerer Störungen des Geldumlaufs einen schnellen Austausch der Banknoten vornehmen können.
Möglicherweise standen Szenarien wie die Kubakrise, eine neue Berlin-Blockade oder die Erinnerung an die „Operation Bernhard“ hierfür Pate, in der etwa die Gegner des kalten Krieges den westlichen Zahlungsverkehr durch fast perfekte Blüten massiv stören sollten.
Viele Serien wurden realisiert und eingelagert, andere Zentralbanken begnügten sich mit der Herstellung der Ersatzklischees.
Inzwischen veralten Sicherheitsmerkmale schneller als im 20. Jahrhundert, so dass man von dieser Praxis wieder abgekommen ist. Insbesondere von den Serien BBk III bzw. der derzeit umlaufenden Euroserie gibt es keine Ersatzserie.

Deutschland BBk II

Für die grafischen Ausführung der Reservenoten der BBK II Serie wurde Max Bittrof von der Bundesbank beauftragt. Er gestaltete die Nominale zu 5, 10, 20, 50 und 100 DM und griff dabei auf eigene Entwürfe aus dem Jahre 1958 für die Serie BBk I zurück. Sie sind datiert auf den 1. Juli 1960 und waren für Westdeutschland vorgesehen.
Max Bittrof war bereits verantwortlich für Ro 252 (5 DM, Europa auf dem Stier) und die sogenannten Franzosenscheine (50 DM Ro 254 und 100 DM Ro 256) der Bank Deutscher Länder, so dass Ähnlichkeiten im Stil erkennbar sind: Typisch für Max Bittrofs Werk ist die Verwendung der Burmeester Kurvenschablone. Das Wasserzeichen zeigt durchgehend die dargestellten Portraits, die jedoch bewusst neu ausgearbeitet gestochen wurden und somit von denen der Serie [BBk I] abweichen.
Realisiert wurden die folgende Banknoten:

10 DM
20 DM
50 DM
100 DM

Auf der Webseite findet man eine Bildergalerie der Bundesbank, für hochauflösende Bilder muss man ein oder zwei mal klicken:
https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/numismatik-und-kunst/muenz-und-geldscheinsammlung/bildarchiv/banknoten-der-ersatzserie-bbk-ii-fuer-westdeutschland-607232

Deutschland BBK IIa

5 DM, 1963 der Serie BBK IIa, Vorderseite (nicht ausgegeben)

Die BBK IIa Serie wurde entworfen von Rudolf Gerhardt. Die Porträts sind somit die selben wie auf den Banknoten BBk I. Sie war für Westberlin vorgesehen und dort eingelagert, etwa im Falle einer neuen Berlin-Blockade. Sie tragen alle das Ausgabedatum 1. Juli 1963 und weisen ein Flächenwasserzeichen auf, dass die Buchstaben "BBk" zeigt.

Für die Gestaltung dieser Noten legte man die Vorschläge zu Grunde, die Rudolf Gerhardt für die BBk I eingereicht hatte.

Wie man bereits seit Auftauchen des Fünfers vermutet hatte, wurden die folgende Banknoten realisiert:

5 DM
10 DM
20 DM
50 DM
100 DM

Die Serie ist hier zu sehen:
https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/numismatik-und-kunst/muenz-und-geldscheinsammlung/bildarchiv/banknoten-der-ersatzserie-bbk-ii-fuer-westberlin-607234

Deutschland Bundeskassenscheine

Die Entwicklung der Bundeskassenscheine wurde von der Bundesbank zwar begleitet, jedoch nicht initiiert.

Es existierten die folgenden Werte:
5 PF
10 PF
50 PF
1 DM
2 DM

DDR

Auch in der DDR gab es zwei nicht ausgegebene Banknoten: 200 M und 500 M. Da die Kaufkraft von 200 "Ostmark" wesentlich höher war als die von 200 Westmark, hatte es für Werte dieser Höhe nie wirklich Bedarf gegeben.

Diese Werte waren von anfang an dazu bestimmt, im Kriegsfalle, z.B. während der "Operation Bordsteinkante", im (besetzten) Bundesgebiet im Umlauf zu gelangen.

Jugoslawien

Vorderseite Vorderseite
Rückseite Rückseite

Nicht ausgegebene Ersatzbanknote (?) zu 1000 Dinara (ca. 198x), ausgegebene Note zu 2 Million Dinara (1989)
Aufgetaucht sind inzwischen verschiedene Durckproben der Tito - Noten (rot, grün, blau, gelb), alle tragen die gleiche Unterschrift wie die jugoslawischen Banknoten mit der Jahreszahl 1978. Die Geschichte der Tito-Noten ist weitestgehend auf Vermutungen angewiesen. Einen interessanten Anhaltspunkt bildet die Information aus der Fachliteratur, für die Werte zu 500.000 und 2.000.000 Dinara wären Rerserveklischees verwendet worden.

Mögliche Geschichte hinter den Tito - Noten: Zu Beginn der 1980er Jahren, kurz nach Titos Tod, wurde eine Banknotenersatzserie in Auftrag gegeben, diese beinhaltete die Noten zu 1, 5, 10, 50, 100, 500, 1.000 und 5.000 Dinara. Davon wurden die folgenden Banknoten realisiert oder vorbereitet:
P 101 100 Dinar Portrait Tito, grün
P NEU 1000 Dinar Portrait Tito, gelb
Als 1989 die Inflation zu galoppieren begann, griff man auf die Klischees der Noten zurück und verwendete sie für die Noten:
500.000 Dinara, lila und blau
2.000.0000 Dinara, braun und grün

Nach der Währungsreform 1990 schließlich legte man diese Noten mit neuer Wertangabe (50 statt 500.000 und 200 statt 2.000.000 Dinar) neu auf.

Ob es sich bei den roten, blauen , gelben und grünen Druckproben um Probedrucke aus dem Jahr 1986 oder speziell für Sammler hergestellte Entwürfe handelt, ist nicht bekannt.



Zeitpunkt der Herstellung dürfte der Unterschrift nach zu Urteilen, etwa das Jahr 1980 sein (nicht wie der SCWPM vermutet, 1990!) Möglicherweise hatte man das politische Chaos und das damit eingehende Währungschaos der 90er Jahre vorausgeahnt, in der aufgrund der Sezession mehrerer Teilrepubliken und Hyperinflation in kurzer Zeit mehrere Währungseinschnitte nötig wurden.

Luxemburg

Diverse Farbvarianten der luxembuirgischen Banknotenserie existieren, die als Reserveserie für die Abspaltung Luxemburgs von der Währungsunion mit Belgien bereitgehalten wurden. Sie zeigen meist das Bild des Großherzogs Jean, die hohen Werte zu 500 und 1000 Francs Großherzogin Charlottte.

Namibia

Eine Note zu 10 Kalahar existiert und wurde bereits auf eBay angeboten. Er stammt aus dem ersten Satz von Banknoten für Namibia. Diese Noten wurden von Tumba Schweden entworfen und gefertigt. Aber zum Einsatz kamen die Banknoten nicht. Gründe hierfür sind nicht bekannt. Möglicherweise handelt es sich hier um eine Ersatzserie.

Niederlande

Vorderseite Rückseite
Vorderseite Rückseite

Bekannt sind Reservebiljetten zu Hfl 10, 25, 100 und 1000. Die Farben stimmen in Größe und Wert im wesentlichen mit den umlaufenden Noten der 60er Jahre überein.

Siehe auch https://wiki.muntenenpapiergeld.nl/index.php?title=Reservebiljetten

Norwegen

Aus Norwegen sind zwei Werte bekannt: 100 und 1000 Kronen

http://www.tv2.no/nyheter/okonomi/her-er-norges-hemmelige-krigssedler-3719496.html

Österreich

Vorderseite Rückseite
Vorderseite Rückseite
Es existierten zwei Banknoten zu 500 ATS (Otto Wagner) und 1000 ATS (Erwin Schroedinger). Sie wurden von Robert Kalina gestaltet und haben große Ähnlichkeit mit später ausgegebenen Banknoten der OeNB gleicher Wertstufe.

Schweden

Ersatznoten uu 5, 10 und 100 Kronen sind bekannt. Vermutlich hatten sie die Maße der damals umlaufenden Noten der "sitzenden Svea":
5 Kronen ca. 120 x 70 mm
10 Kronen ca. 120 x 70 mm
100 Kronen ca. 121 x 140 mm
Es waren Noten zu 1, 5, 10, 50, 100 und 1000 Kronen geplant.

Ähnlich wie die deutschen Reservenoten wurden sie an drei Orten in Schweden in Stollen eingelagert.
Die Bilder sowie weitere Entwürfe sind auf http://www.antus.org/Beredskapssedlar.html zu finden.

Schweiz

Folgende Banknoten der SNB waren Reserveserien:


IV: Emission: http://www.snb.ch/de/iabout/cash/history/id/cash_history_serie4 Realisiert wurden angeblich nur die Werte 50, 100 und 1000 Franken.

Von der V. Emmision sollen die Werte zu 50, 100, 500 und 1000 Franken ebenfalls als Reserveserie entworfen worden sein (http://www.snb.ch/de/iabout/cash/history/id/cash_history_serie5)

Vorderseite Rückseite
Vorderseite Rückseite
Vorderseite Rückseite

VII. Emission: http://www.snb.ch/de/iabout/cash/history/id/cash_history_serie7
Realisiert wurden angeblich nur die Werte 20 - 1000 Franken, obwohl von alle Werten von 10 bis 5000 Franken fertige Entwürfe bekannt sind.

Tschechoslowakei

Es existieren Klebemarken-Serien aus der Zeit nach dem Prager Frühling. Diese zeigten keine Zahlen, sondern die buchstaben D, P und S, im Bedarfsfall wären drei der umlaufenden Noten (10, 25, 50 und 100) mit diesen Marken überklebt worden. Das S stand für Sto (=100) und wäre wohl für den Hunderter vorgesehen gewesen. D und P stände je nach bedarf für die Abkürzungen von 10, 25 und 50:


D = 10 Deset/Desať ; P = 50 Padesát/Päťdesiat
D = 10 Deset/Desať; P = 25 Pětadvacet / Pätadvadsat
D = 25 Dvacet/Dvadsať pět; P = 50 Padesát/Päťdesiat