Bank: Bank of Scotland

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Bank of Scotland

Bankwappen um 1700

1694 wurde in England die Bank of England als Reaktion auf die Zahlungsunwilligkeit des Königs gegründet. Im Jahre 1695 zog das schottische Parlament nach und gründete am 17.07. in Edinburgh die Bank of Scotland. Sie ist bis heute die einzige Bank und überhaupt die einzige noch existierende kommerzielle Institution, die mittles eines solchen Parliament Acts ins Leben gerufen wurde. Auch in ganz Großbritannien zählt sie zu den ältesten Banken.
Dieser Founding Act ermöglichte es den damaligen Bankdirektoren über ein Grundkapital von 1.200.000 schottischen Pfund zu verfügen. Zugleich ermöglichte man der Bank für 21 Jahre ein Monopol auf das Bankgeschäft in Schottland und ein Monopol auf die Ausgabe von Banknoten. Die ersten Banknoten wurden sogleich im Gründungsjahr in den Werten 5, 10, 20, 50 und 100 Pfund herausgegeben. Damit war die Bank of Scotland überhaupt eine der ersten Banken in Europa, die Papiergeld herausgab. Die Bank wurde in erster Linie zur Förderung des Handels gegründet. Die 172 Aktionäre stammten vorrangig aus Schottlands Adel, aber auch Kaufleute waren darunter. Sie wünschten sich vor allem Kredite mit langer Laufzeit und boten dafür ihren Grundbesitz als Sicherheit.
1704 musste allerdings erstmals die Einlösung der Noten eingestellt werden, da nicht mehr genug Silbergeld zur Verfügung stand. Um diesem Mangel an Kleingeld abzuhelfen, durfte man die Banknoten dann auch vierteilen, jedes Stück hatte dann den Wert eines ¼ vom Nominalwert.

Bankzentrale in Edinburgh

Im Jahre 1716 lief das Monopol der Bank aus und die Direktoren versäumten es, um eine Verlängerung nachzusuchen. So wurde 1727 durch eine Royal Charter die Royal Bank of Scotland gegründet und in den folgenden Jahren kam es zu einem scharfen Konkurrenzkampf zwischen beiden Banken, der zeitweise sogar als Banken-Krieg bezeichnet wurde.
Während der jakobitischen Revolution von 1745 stand die Bank im Verdacht die Rebellen zu unterstützen. Vermutlich verhielt sie sich jedoch neutral. Man versuchte Banknoten in den Highlands einzuziehen, um sie dem Zugriff der Rebellenarmee zu entziehen. Als die Rebellenarmee in Edinburgh einmarschierte, schloss man die Bank mehrere Wochen und brachte zudem alle Wertsachen und Bankpapiere sicher im Schloß von Edinburgh unter. Erst nach dem Abzug der Rebellenarmee öffnete man wieder das Geschäft.
Mit der Royal Bank of Scotland einigte man sich dann auf einen Waffenstillstand, um nicht beide Banken in den Ruin zu treiben. Man nahm dann auch die Banknoten des anderen in Zahlung.
Ab etwa 1750 kam es in Glasgow zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und die Bank of Scotland versuchte daran teilzuhaben. Man sicherte sich die Teilhaberschaft an einigen kleineren Bankhäusern und errang so in eine führende Rolle im Finanzgeschäft. Die Bank baute ihr Filialnetz nur langsam aus, 1774 wurden die ersten Filialen in Dumfries und Kelso eröffnet.
Das 18. Jahrhundert brachte einige Neuerungen im Banksystem Schottlands: die Gründung zahlreicher Banken als Aktiengesellschaften, die sehr großräumig agierten und über ein breites Filialnetz verfügten. Die Bank of Scotland reagierte mit dem Ausbau des Netzes auf 43 Filialen im Jahre 1860. 1865 kam eine Niederlassung in London hinzu. Mit ihrer offensiven und großzügigen Kreditpolitik stellten die neuen Banken eine große Konkurrenz zur Bank of Scotland dar. Aber diese Politik führte auch ab und an zu Pleiten in der Branche. 1857 ging die Western Bank konkurs. Die Bank of Scotland trat gemeinsam mit anderen Banken für die Verbindlichkeiten ein und sicherte so das Vertrauen in das schottische Banksystem. Eine weitere Krise löste 1878 der Ruin der Glasgow Bank aus und spätestens damit wurde die Finanzpolitik der Banken wieder vorsichtiger.
Am Anfang des 19.Jahrhunderts war die Bank an der Finanzierung von neuen Schlüsseltechnologien beteiligt. Unternehmen wie British Aluminium und andere kriegswichtige Firmen wickelten ihre Geschäfte über die Bank of Scotland ab. So überstand die Bank die beiden Weltkriege ohne größere Einbußen. 1939 verfügte man über 265 Filialen.
Ab etwa 1950 begann die Zeit der großen Bankfusionen, die Bank of Scotland eröffnete diese Expansionsjahre durch ihrem Zusammenschluss mit der Union Bank of Scotland im Jahre 1955. Drei Jahre später wurde der Kundenkreditbereich durch die Übernahme der North West Securities (heute Capital Bank) erweitert. In diesen Jahren wurden auch die internen Bankabläufe automatisiert. So war die Bank of Scotland 1959 die erste Bank in Großbritannien, die ihre Bankkonten zentral in einer EDV-Anlage verwaltete.
Anfang der Siebziger Jahre stieg die Bank erfolgreich in das Nordsee-Ölgeschäft ein. Man finanzierte die Erkundung von Ölvorkommen und war entscheidend an der Gründung der International Oil and Energy Bank beteiligt. 1975 eröffnete man das erste Überseebüro in Houston, Texas. Weitere in Moskau, Hongkong und Singapur folgten.
Zudem erfolgte 1971 der Zusammenschluss mit der British Linen Bank.
1986 startete eine weitere Innovation der Bank, HOBS (Home and Office Banking Services), eine frühe Anwendung der Internet-Technologie. Es ermöglichte den Kunden unter Nutzung des Telefonnetzes und ihres Fernsehers den Zugang zu ihren Konten.
Im Jahre 1987 übernahm man eine Bank in Neuseeland und 1995 die Mehrheit an der Bank of Western Australia.
Nachdem die Bank im Jahre 2000 eine Übernahmeschlacht um die englische National Westminster Bank, kurz NatWest, an die Royal Bank of Scotland verloren hatte, musste man sich nach einem neuen Fusionspartner umsehen, um dem Druck des Marktes gewachsen zu sein. Man fand ihn in der Halifax Grundstücks- und Finanzierungsgesellschaft. 2001 wurde die Fusion zur HBOS, der Halifax Bank of Scotland vollzogen. Man beschloss beide Marken eigenständig am Markt bestehen zu lassen und so blieb auch die Zentrale des Bankgeschäftes in Edinburgh. Das Unternehmen ist heute dem Marktwert nach die viertgrößte Bank in Großbritannien. Alle 300 Filialen der Bank of Scotland verkaufen heute Hypotheken und Bausparprodukte unter dem Namen Halifax, während die Halifax Filialen in England ihre Bankprodukte unter der Marke Bank of Scotland vertreiben.
Zudem ist die Bank of Scotland neben der Royal Bank of Scotland und der Clydesdale Bank eine der letzten 3 schottischen Banken, die ihr Notenausgaberecht auch heute noch ausüben.


Schottland: P-101b, 5 Pounds, 05.10.1959

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