Jugoslawien: Banca per l'Economia per l'Istria, Fiume e il Littorale Sloveno 1945

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Jugoslawische Besetzung von Istrien, Fiume und der slowenischen Küste - Banca per l'Economia per l'Istria, Fiume e il Littorale Sloveno 1945

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs mußte Österreich die Halbinsel Istrien an Italien abtreten. 1924 folgte - nach der ereignisreichen Besetzung durch d'Annunzio - Fiume.
Im 2. Weltkrieg besetzen Deutschland und Italien Jugoslawien, und bei der Aufteilung 1941 fiel Slowenien an Italien.
Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten vom 8. September 1943 kam Slowenien unter deutsche Kontrolle.
Im Oktober 1944 befreite Tito an der Spitze der Partisanentruppen Belgrad und begann mit Unterstützung russischer und bulgarischer Truppen das jugoslawische Territorium zurückzugewinnen. Die deutschen Besetzer wurden immer weiter nach Norden getrieben.
Ende April 1945 zogen sich die deutschen Soldaten zurück und die jugoslawischen Partisanen besetzten die ganze Region Friaul-Julisch-Venetien. Am 3. Mai etablierten sie sich in Fiume und Triest.
Ein Teil dieses Gebiets wurde als Zone B bezeichnet. Es wurde erst 1946 endgültig der Föderativen Sozialistischen Republik Jugoslawien zugesprochen. Eine Ausnahme bildete Triest, das nach langen und mühsamen Verhandlungen italienisch blieb. Nach ihrem Sieg übernahmen die Allierten die Kontrolle über Friaul-Julisch-Venetien, überließen aber Jugoslawien treuhänderisch und auf befristete Zeit die Verwaltung.
Als im Oktober 1945 bekannt wurde, daß die Jugoslawen in der Zone B Julisch-Venetiens die Einführung einer Besatzungswährung planten, entschieden die Alliierten sofort, daß die einzig zulässige Währung in der Zone B die sogenannte am-Lira sei, also die in USA hergestellten auf Lire lautenden Allied-Military-Currency-Scheine. Aber die Regierung Jugoslawiens hatte bereits in Absprache mit dem jugoslawischen Militärkommando am 30. Oktober 1945 die Banca per l'Economia per l'Istria, Fiume e il Littorale¹ Sloveno (Wirtschaftsbank für Istrien, Fiume und die slowenische Küste) gegründet und dieses Institut beauftragt, Banknoten in den Werten von 1 bis 1.000 Lire auszugeben.

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Diese Noten wurden im Volksmund aufgrund des auf den 5- bis 1.000-Lire-Noten aufscheinenden Motivs Barchette (kleine Boote) genannt und entsprachen im Wert etwa 80% der italienischen Lira.
Die heftigen Proteste der Alliierten Behörde führten aber dazu, daß diese Noten bereits nach zwei Monaten wieder aus dem Verkehr gezogen wurden. Die Banca per l'Economia per l'Istria, Fiume e il Littorale Sloveno mußte die Noten vom 28. bis 30. Dezember 1945 mit 30 Dinara pro 100 Lire einlösen.
Der Höchstumtausch wurde mit 5.000 Dinara pro Familienoberhaupt festgesetzt.
Für höhere Beträge gab es eine Quittung, die später zum selben Kurs eingelöst werden konnte.
Diese Banknotenserie konnte man bis in die frühen 1980er Jahre in Jugoslawien noch recht leicht finden. Sie ist inzwischen selten geworden, da die Nachfrage nach Ausgaben aus und kurz nach dem 2. Weltkrieg stark angestiegen ist.

¹Anmerkung des Übersetzers: Die korrekte italienische Schreibweise lautet: Litorale.


Quelle: Guido Crapanzano, Soldi d'Italia - Un secolo di cartamoneta Fondazione Cassa di Risparmio di Parma, 1995