Italien: Partisanenscheine

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Partisanenscheine Italiens

Der Waffenstillstand der Badoglio-Regierung mit den Alliierten vom 8. September 1943 teilte Italien in mehrere Hinsicht in zwei Teile. Zum einen auf der Landkarte in das Königreich des Südens und Mussolinis Italienische Sozialrepublik im Norden, zum anderen aber das Volk in zwei politische Fraktionen.
Der schmerzhafteste Bruch aber erfolgte im Herzen der Italiener, die sich auf einmal in einen Bruderkampf verwickelt fanden.
Der Waffenstillstand war zweifelsohne ein zwingend nötiges Eingeständnis der militärischen Niederlage und absolut erforderlich, um die totale Zerstörung des Landes zu verhindern.
Immer wieder aber taucht auch die These vom Verrat an den deutschen Waffenbrüdern auf. Ein Schuldgefühl dieser Art ist aber völlig fehl am Platze. Der Anspruch des Volkes auf Sicherheit und Leben hat die Abkehr vom Achsenpartner und den Friedensschluß gerechtfertigt. Vor der Geschichte darf nur eine Maßnahme als ehrenwert gelten: die, welche Frieden und Sicherheit für das Volk und jeden Einzelnen gewährleistet. Hitlers Starrsinn und seine Entscheidung, von seinem Bunker in Berlin aus den längst verlorenen Krieg hinauszuzögern und damit den Tod von unzähligen Zivilisten und Soldaten zu verschulden, entspringt einer düsteren Denkensweise, die jedem Italiener völlig fremd ist.
Nach dem 8. September begannen sich Antifaschisten militärisch spontan in vielen Resistenza-Gruppen zu organisieren. Sie erfuhren immer mehr Sympathie und Hilfe unter dem Volk.
Nach offiziellen Angaben, die nach Kriegsende von Kommissionen ermittelt wurden, soll es in Italien 393.341 Partisanen gegeben haben. Das scheint zu hoch gegriffen. Ernsthafte historische Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, daß es weniger als 200.000 waren.
Weiter befanden sich in Deutschland etwa 500.000 italienische internierte Soldaten, die dem König trotz der ihnen daraus entstehenden Nachteile treu geblieben waren.
Die bewaffnete italienische Resistenza hat auf den Sieg der Alliierten ganz sicherlich keinen großen Einfluß gehabt. Was aber viel mehr zählt, ist der stille Mut vieler Millionen Italiener, die in den Wirren die kämpfenden Partisanen auf jede erdenkliche Weise unterstützt haben.
Dazu gehörte natürlich auch die finanzielle Unterstützung, wie das Zeichnen von Partisanenanleihen, deren Coupons und Quittungen, so sie vom Feind gefunden wurden, den sofortigen Tod durch Erschießen zur Folge hatten.
Partisanenscheine sind alle extrem selten; einerseits aufgrund des Risikos, die der Besitz solcher Papiere darstellte; andererseits, da sie nach dem Krieg, sofern ein Wert aufgedruckt oder gestempelt war, durch das Comitato di Liberazione Nazionale (Komitee der Nationalen Befreiung) eingelöst wurden.
Selbst ansehliche Spezialsammlungen beinhalten meist nur 20-30 Stück.
Unverständlich und bedauerlich ist die Tatsache, daß keine historische Studie über die Resistenza das Thema jemals tiefschürfender behandelt hat. Es gibt nur ein paar Artikel darüber. Der Grund ist unklar, denn sie sind ihrem Zwecke und ihrer Bedeutung nach mit den Scheinen des Risorgimento zu vergleichen, die im Gegensatz zu den Partisanen-Scheinen ein breites Interesse finden.
Die Cassa di Risparmio di Parma ist stolz auf ihre mit etwa 100 Stück weitaus größte Sammlung von Partisanenscheinen.
Man unterscheidet beim Partisanengeld zwischen nationalen (1925, aus der Frühzeit des Kampfes gegen den Faschismus und der Partito Comunista Italiano, 1943) und regionalen Ausgaben (ab dem Waffenstillstand 1943).

Hier eine Auswahl von Scheinen, die man wirklich nur ganz selten zu Gesicht bekommt:

Nationale Ausgaben

Prestito Nazionale per la Libertà 1925

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Nationale Union, 50 Lire 1925, gedruckt bei Tipografia Augusto Bassi, Reggio nell’Emilia

Text: Der Inhaber dieses Bons hat zum Kampf um die Freiheit Italiens beigetragen, indem er 50 Lire zugunsten der geheimen Presse überreicht hat. Der faschistische Knüppel wird Italien nicht zähmen.


Partito Comunista Italiano - Prestito per la Lotta di Liberazione 1943

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Kommunistische Partei Italiens, 50 Lire Dezember 1943, Leiste rechts unten mit mehreren Werten irreführend lochentwertet, daher nachträglich validiert per Handstempel mit 50 Lire


Regionale Ausgaben

Piemont

Comitato di Liberazione Nazionale Delegation Piemont, Turin

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Spendenquittung ohne Wertangabe


Partito d'Azione (Aktionspartei) - Formazione Giustizia e Libertà (Formation Recht und Freiheit), Turin

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500 Lire, Ende 1944

Ligurien

Comitato di Liberazione Ligure (Komitee für die Befreiung Liguriens) 1944

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10.000 Lire, 5. Juni 1944, Stempel auf Italy P-68


Comitato di Liberazione Nazionale – III. Garibaldinische Division Cichero

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1.000 Lire, gedruckt in Bobbio (Provinz Piacenza). Diese Scheine waren recht verbreitet.


Comitato di Liberazione NazionaleComando Partigiano VI Zone (Partisanenkommando 6. Zone)

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1.000 Lire


Partito d'Azione (Aktionspartei) – Brigate Giustizia e Libertà (Brigade Recht und Freiheit)

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10.000 Lire, Gutschein zur Einlösung nach dem Krieg

Lombardei

Comitato di Liberazione per l'Alta Italia (Befreiungskomitee für Oberitalien)

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10 Lire, Handstempel auf Italy P-25c


Partito d'Azione (Aktionspartei) – Formazione Giustizia e Libertà (Formation Recht und Freiheit)

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10 Lire


Comitato di Liberazione Nazionale (Nationales Befreiungskomitee) – Varzi (Oltrepo Pavese)

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1.000 Lire


Federazione Milanese del Partito Comunista Italiano (Mailänder Föderation der KPI)

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Ohne Wertangabe


Venetien und Trentino

Comitato di Liberazione Nazionale del Veneto (Nationales Befreiungskomitee Venetiens)

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100 Lire, gedruckt in der geheimen Druckerei von Giovanni Zanocco


Prestito Patriottico per la Liberazione (Patriotisches Darlehen für die Befreiung)

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Ohne Wertangabe, 26.08.1943


Brigata d'Assalto Garibaldina "Ateo Garemi" (Garibaldinische Sturmbrigade "Ateo Garemi")

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5.000 Lire 1944 (Der Name Caremi muß richtig Garemi lauten.)


Brigata Garibaldina "Padova" (Garibaldinische Brigade "Padua")

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50 Lire


Friaul-Julisch-Venetien

Prestito per la Lotta Nazionale di Liberazione (Darlehen für den Nationalen Befreiungskampf)

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50 Lire, Oktober 1943


Brigata "Osoppo" (Brigade "Osoppo")

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50.000 Lire


1ª Divisione d'Assalto "Osoppo-Friuli" (1. Sturmdivision "Osoppo-Friuli")

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1.000 Lire


Brigata "Osoppo" / Battaglione "Carnia" (Brigade "Osoppo", Batallion "Carnia")

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5.000 Lire

Emilia

Comitato di Liberazione Nazionale di Piacenza (Nationales Befreiungskomitee von Piacenza)

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100 Lire 1944


Comitato di Liberazione Nazionale di Reggio nell'Emilia (Nationales Befreiungskomitee von Reggio nell'Emilia)

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200.000 Lire, 03.01.1945


Partito Comunista d'Italia – Federazione Bolognese (Kommunistische Partei Italiens, Organisation Bologna)

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100 Lire, Juni/Juli 1944


Partito Comunista d'Italia - Federazione Ferrarese (Kommunistische Partei Italiens, Organisation Ferrara)

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1.000 Lire


Toscana

Comitato Toscano di Liberazione Nazionale (Komitee der Toskana für die nationale Befreiung)

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500 Lire 1944


Quelle: Guido Crapanzano, Soldi d'Italia – Un secolo di cartamoneta Fondazione Cassa di Risparmio di Parma, 1995