Italien: Cassa Mediterranea di Credito per l'Egitto e per il Sudan

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Cassa Mediterranea di Credito per l'Egitto e per il Sudan - Mediterrane Kreditkasse für Ägypten und den Sudan

Nach der Niederlage Frankreichs gegen Deutschland beinhaltete der daraus resultierende Waffenstillstand auch mit Italien am 24. Juni 1940 unter anderem eine Demilitarisierung eines etwa 50 Meilen (80 km) breiten Streifens an der tunesisch-libyschen Grenze. Das gab den italienischen Truppen in Tripolitanien die nötige Rückenfreiheit, um im September 1940 den Marsch auf Ägypten zu beginnen.
Eine britische Gegenoffensive Anfang 1941 zwang die Italiener aber, sich wieder bis Bengasi zurückzuziehen und einen Teil der Halbinsel Cyrenaica den Engländern zu überlassen.
Um Italien zu Hilfe zu kommen, entsandte Deutschland daraufhin Truppen - das berühmte Afrikakorps unter der Führung von General Erwin Rommel - nach Libyen.
Rommel übernahm das Kommando über die militärischen Operationen der Achsenmächte in Nordafrika, und es gelang ihm in den Monaten März und April 1941 die Rückeroberung der Cyrenaica. Bei Tobruk stieß er dann erstmals auf sehr heftigen Widerstand der Engländer.
Tief gestaffelte Verteidigungsstellungen aus Panzergräben, Bunkern, MG- und PAK-Nestern machten ein Vordringen in den Ort nahezu unmöglich. Bis Ende 1941 wurde der Ort belagert und von der Deutschen Luftwaffe massiv bombardiert. Im Rahmen von Operation Crusader im Dezember 1941 wurden die Verteidiger entsetzt.
Im Mai 1942 war die Stadt erneut Ziel deutsch-italienischer Vorstöße und erst nach zwei Wochen heftiger Kämpfe wurde die Abwehr schließlich durchbrochen. Die Verteidiger kapitulierten am 21.06.1942.
Am 2. Juli 1942 kam Mussolini in Tobruk an, wo er von dem in Kairo akkreditierten italienischen Bevollmächtigten Botschafter, Serafino Mazzolini, empfangen wurde. Ägypten hatte sich zwar für neutral erklärt, aber dennoch wollten es die Achsenmächte besetzen. Die Präsenz Mussolinis und des italienischen Botschafters bestätigten diese Annahme.
Vor Abreise des Duce hatten sich auch noch der italienische Minister Giannini und der deutsche Minister Clodius in Salsomaggiore Terme nahe Parma getroffen. Die beiden hatten bereits im August 1941 Verhandlungen über die Ausgabe einer Besatzungswährung in Griechenland geführt.
Nun ging es darum, sich über den wirtschaftlichen Einfluß in den künftig noch zu erobernden Gebieten, also Ägypten und Sudan, zu einigen. Die beiden kamen erst einmal überein, daß die Kriegsbeute wie folgt aufzuteilen sei:

  • was in Rußland erbeutet wird, fällt dem Deutschen Reich zu
  • was jedoch in Ägypten - sei es durch die Italiener oder durch das Afrikakorps - erbeutet wird, geht an Italien.

Clodius verlangte jedoch weiter, daß die deutschen Soldaten für ihre Ausgaben in Ägypten Scheine der Reichskreditkasse verwenden sollten. Giannini erkannte natürlich sofort, daß diese Regelung zur völligen Ausplünderung Ägyptens führen würde und verweigerte seine Unterschrift. Er leitete die Sache an Mussolini weiter.
Wie schon zuvor bei den Jonischen Inseln, schwebte dem Duce ein Kompromiß vor, und er gab vorsorglich schon einmal den Auftrag zur Herstellung von italienischem Besatzungsgeld.
Das Istituto Poligrafico in Rom wurde angewiesen, sofort mit der Produktion von Banknoten für Ägypten und den Sudan zu beginnen, welche denen der Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia ähnelten.
500 Millionen Bankoten wurden daraufhin gedruckt. Eine Tranche trug den Titel des ausgebenden Instituts Cassa Mediterranea di Credito per l'Egitto (Egypt P-M1 – P-M8)

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Die andere Tranche lautete auf die Cassa Mediterranea di Credito per il Sudan (Sudan P-M1 – P-M8).

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Die Werte waren für beide Banken identisch, nämlich 5, 10 und 50 Piastre und 1, 5, 10, 50 und 100 Lire Egiziane. Im SCWPM ist merkwürdigerweise bei Ägypten unter P-MA1 noch ein 1-Piastra-Schein erwähnt. Von dem ist jedoch kein Belegexemplar bekannt.
Diese Noten sind also, wie schon erwähnt, denen der Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia sehr ähnlich. Im Unterschied zu den griechischen Noten zeigen die für Ägypten und den Sudan aber auf den Werten 50 Piastre bis 10 Lire Egiziane statt des David von Michelangelo die Büste des Kaisers Octavian.
Am 16. Juli 1942 wurden diese Noten in versiegelten Postsäcken mit einem Militärflugzeug von Rom nach Berta auf der Cyrenaica geflogen.
Von dort wurden sie von Panzern begleitet zur Kaserne von Barce gebracht, wo sie auf die erfolgreiche Ägypten-Offensive warten sollten. Wie man heute weiss, hatte man aber die Rechnung leider ohne den Wirt gemacht. Der Marsch des Afrikakorps auf Alexandria fand in El Alamein, einem kleinen Ort an der agyptischen Mittelmeerküste aufgrund von Nachschub- und Treibstoffmangel sein endgültiges Ende. Der Befehlshaber über die alliierten Truppen, General Montgomery, begann im Oktober 1942 mit einer gezielten Gegenoffensive und trotz heftigen Widerstandes des Afrikakorps und auch der Italiener konnte er seine Gegner zum Rückzug aus Ägypten und zur Räumung der Cyrenaica zwingen.
Was passierte nun mit den Banknoten, die noch immer in der Kaserne von Barce lagerten?
Hierüber gibt es verschiedene Versionen, die im Laufe der Zeit in mehreren Zeitungen, Magazinen und fachbezogenen Aufsätzen kundgetan wurden. Nachdem mit den jeweiligen Autoren gesprochen wurde, scheinen all diese Theorien jedoch unglaubwürdig, zu phantasiebetont oder unrealistisch.
Im Jahre 1967 konnte ein mittlerweile verstorbener italienischer Sammler nach langen Verhandlungen endlich fünf Scheine der Cassa Mediterranea di Credito per l'Egitto erwerben, die sich heute in der Sammlung der Banca d'Italia befinden. Es handelte sich um 5, 10 und 50 Piastre und 5 und 50 Lire Egiziane (es fehlten also der 1-, 10- und 100-Lire Egiziane-Schein).
Crapanzano durfte dem Ende der Verhandlung beiwohnen und habe so vom Verkäufer erfahren, daß diese fünf Noten Teil einer kompletten Serie gewesen seien, die sein Onkel, ein Carabiniere (Militärpolizist) in Barce, vor der Verbrennung gerettet hatte, die kurz vor dem Eintreffen General Montgomerys durch Soldaten durchgeführt werden mußte.
Der Carabiniere konnte also acht Ägypten-Scheine vor der Verbrennung retten. Diese teilte er auf seine beiden Neffen auf, wobei er dem einen drei, dem anderen fünf Scheine gab. Obwohl Crapanzano ziemlich hartnäckig nachfragte, gelang es ihm nicht, zu erfahren, wer der Besitzer der anderen drei Noten sei. Wer auch immer es ist, er müßte sie noch heute in seinem Besitz haben, denn der Verkauf solch wertvoller Raritäten wäre sicher nicht unbeachtet geblieben.
Im Jahre 1980 wurden bei einer Auktion in London je ein kompletter lochentwerteter Specimen-Satz aus Ägypten und dem Sudan versteigert. Die Käufer waren zwei amerikanische Sammlerkollegen, die sich die Serien je zur Hälfte teilten. Also besitzt heute ein jeder je einen halben Satz aus Ägypten und dem Sudan. Diese Banknoten befinden sich noch immer in den USA.
Ein Tessiner Historiker und Sammler besaß einen 10-Piastre-Schein von Ägypten und eine 1-Lira-Note aus dem Sudan (beides lochentwertete Specimen). Auch diese Noten befinden sich mittlerweile in den USA.
Ein weiteres Campione (Specimen) eines 5-Piastre-Scheins aus Ägypten befindet sich in der Sammlung eines passionierten Mailänder Sammlers.
1993 wurde eine 1-Lira-Note aus Ägypten in Italien von einem Amerikaner ersteigert. Nicht bestätigten Gerüchten zufolge soll ein schwedischer Sammler zwei Specimen besitzen.
Die Banca d'Italia hat in ihrer Sammlung einen kompletten Specimen-Satz aus dem Sudan.


Quelle: Guido Crapanzano, Soldi d'Italia - Un secolo di cartamoneta, Fondazione Cassa di Risparmio di Parma, 1995