Deutsche Besetzung der Provinz Laibach

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Ausgaben der Sparkasse Laibach während der deutschen Besetzung der Provinz Laibach

Slowenien P-R8 500 Lira
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Der Einmarsch der italienisch-deutschen Armee in Jugoslawien begann mit der Bombardierung Belgrads am 5. April 1941. Wenige Tage später besetzten italienische Truppen Slowenien und die dalmatische Küste.
Nach der Kapitulation Jugoslawiens teilten sich das deutsche und italienische Kommando die Kontrolle über das Land. Slowenien fiel unter italienische Hoheit, und am 3. Mai 1941 wurde dieses Gebiet unter dem Namen "Provinz Laibach" als 100. Provinz in das Königreich Italien eingegliedert.
In der Provinz Laibach, nun also italienisches Staatsgebiet, galt fortan die italienische Lira. Der jugoslawische Dinar wurde eingezogen und in einem Verhältnis von 0,38 Lire pro Dinar getauscht.
Aus verwaltungstechnischer Sicht war die Provinz Laibach jedoch eine Anomalie, denn einerseits war die neue Provinz militärisch besetztes Gebiet, andereseits aber zivil verwaltet.
So wurde eine vom Militär unterstützte Zivilverwaltung geschaffen, und die Entscheidungen sollten nach beiderseitigem Einvernehmen getroffen werden. Das erwies sich als schwierig, denn die zivile Verwaltung sah in der neuen Provinz ein Gebiet, das es zu entwickeln und fördern galt, während die Militärs sie als Besatzungszone betrachtete, welche es, um den Unterhalt der Truppen zu gewährleisten, so gewinnbringend wie möglich auszubeuten galt.
Obwohl scharfe Gegensätze bestanden, gelang es der von Rom unterstützten zivilen Verwaltung dennoch, Projekte zum Nutzen der Öffentlichkeit in Angriff zu nehmen und für die Verbesserung der Infrastruktur hunderte Millionen Lire bereitzustellen, um der slowenischen Bevölkerung das Interesse Italiens an seiner 100. Provinz auch durch Taten zu zeigen.
Die großen finanziellen Investitionen Italiens wurden aber durch den nach der Absetzung Mussolinis mit den Alliierten geschlossenen Waffenstillstand am 8. September 1943 schlagartig zunichte gemacht. Nun übernahm das Deutsche Reich die Kontrolle Sloweniens. Von diesem Moment an geriet die italienische Währung auch immer mehr in den Inflationsstrudel, und im Sommer 1944 war die Menge der in Slowenien umlaufenden Lire nicht mehr ausreichend zur Aufrechterhaltung eines geregelten Finanzwesens. Zuerst dachten die Deutschen daran, in Slowenien die Reichsmark der Reichskreditkasse (Germany P-R135 – P-R140) einzuführen, wie sie es in mehreren anderen besetzten Gebieten bereits getan hatten. Eine Diskussion mit örtlichen Politikern führte aber dazu, diesen Gedanken wieder fallenzulassen.
Der Grund dafür liegt darin, dass Slowenien, um eine Invasion zu verhindern, bereits im November 1940 dem Stahlpakt beigetreten war. Somit verlief die Annexion dieses Landes 1941 eigentlich ohne nennenswerten Widerstand. Slowenien machte deutlich, dass es mit dem Waffenstillstand Italiens mit den Allierten nicht einverstanden sei und sowohl dem Deutschen Reich als auch der Repubblica Sociale Italiana (Republik von Salò – Mussolinis Marionettenstaat in Norditalien) auf jeden Fall treu bleiben würde. Das ist allerdings verständlich, denn Slowenien hatte de facto ja auch gar keine andere Wahl.
Wie, so argumentierten nun die Lokalpolitiker in Laibach, konnte also das Deutsche Reich in einem mit der Achse verbündeten Land Reichskreditkassenscheine (eine Besatzungswährung) ausgeben?
Eine unerwarte Lösung wurde gefunden, und zwar aufgrund einer Garantie, die dem ersten Anschein nach von der Banca d'Italia kam. Am 14. September 1944 gab die Sparkasse Laibach Noten in den Werten 50 bis 1000 Lire heraus. Diese Geldscheine waren in slowenischer und deutscher Sprache beschriftet, und trugen den Passus Diese Anweisung ist gedeckt durch ein behördlich kontrolliertes Sperrguthaben bei der Banca d'Italia. Sie wird dem Überbringer innerhalb einer vom Chef der Provinazialverwaltung in Laibach bestimmten Frist in geltende Banknoten der Banca d'Italia umgetauscht werden.
Aus einem Brief vom September 1944, geschrieben vom Commissario der Banca d'Italia an den Finanzminister der Repubblica Sociale Italiana, geht jedoch hervor, dass niemals ein Garantieabkommen für die Ausgabe dieser Scheine gezeichnet und auch niemals das auf den Banknoten erwähnte Sperrguthaben bei der Banca d'Italia hinterlegt worden war. Die Sparkasse Laibach unterhalte bei der Filiale der Banca d'Italia in Triest lediglich ein Girokonto ohne jegliches zusätzliches gesperrtes Kapital. Der Brief empfiehlt weiter, dringendst Rücksprache mit der deutschen Verwaltung in Slowenien zu halten, da dieser unkontrollierte und unkontrollierbare Umlauf von Geldscheinen, die sich auf durch nichts garantierte italienischen Lire beziehen unvorhersehbare Folgen haben könnte. Doch welche Möglichkeiten der Einflußnahme hätte ein Minister der Repubblica Sociale Italiana, also eines reinen Marionettenstaates der Deutschen, wohl gegen die Entscheidung des deutschen Kommandos in Slowenien haben können? Das Deutsche Reich hatte es doch nicht nötig, gegenüber Italien überhaupt Erklärungen abzugeben; nicht einmal unwahre.
So entschied der Minister, von der Geschichte erst einmal so wenig Wind wie möglich zu machen. Das einzige, was er erreichte, war aber immerhin, dass in den Ausgaben vom 28. November 1944 (also der 2. Ausgabe) der Passus, der sich auf die Banca d'Italia bezog, von den Scheinen der Werte ½ bis 10 Lire entfernt wurde.
Dass Italien wohl wirklich nichts mit der Ausgabe der Scheine der Sparkasse Laibach zu tun hatte, zeigt noch ein weiteres kleines Detail: sie sind fehlerhaft datiert – und ein solcher Fehler wäre keinem Italiener unterlaufen! Die römische Zahl VII im Datum ist falsch. Die Noten sind wie folgt datiert: 14.9.1944,VII und 28.11.1944,VII, wobei VII die Jahreszählung nach der Annexion bedeutet. Da die Annexion aber erst im Mai 1941 stattgefunden hat, wäre die korrekte römische Zahl, die man auf die Banknoten hätte drucken müssen, natürlich die römische IV gewesen.
In einem weiteren Brief unterbreitet der Commissario der Banca d'Italia dem Minister das Problem noch einmal, indem er schreibt: Es erscheint mir nicht fair, dass hier von der Sparkasse Laibach offensichtlich versucht wird, beim slowenischen Volk durch einen schlichtweg falschen Bezug zur Banca d'Italia Vertrauen in diese Banknoten zu erheischen oder vorzugaukeln.
Aber zu dieser Zeit hatte der Herr Minister in Salò sicher größere Sorgen, und so hielt er auch dieses Schreiben unter Verschluß. Soweit man weiss, wurde der geheimnisvolle Bezug zu einem Sperrguthaben bei der Banca d'Italia nie offiziell dementiert. Es wäre gar nicht uninteressant zu erfahren, ob jemand vielleicht einmal einen Versuch gemacht hat, die Scheine in Rom einzulösen.

Quelle: Guido Crapanzano Soldi d'Italia – Un secolo di cartamoneta Fondazione Cassa di Risparmio di Parma, 1995

Slowenien P-R8 500 Lira
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